PV-Überschussladen ist die clevere Lösung für alle, die eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach haben und jeden Monat auf die mickrige Einspeisevergütung schauen. Da produziert deine Anlage fleißig Solarstrom, und du bekommst gerade mal 7 bis 8 Cent pro Kilowattstunde dafür. Gleichzeitig kostet dich der Strom aus der Steckdose über 30 Cent – das muss nicht sein.
Die Rechnung ist eigentlich simpel: Jede Kilowattstunde, die du selbst verbrauchst statt einzuspeisen, spart dir rund 25 Cent. Und genau hier kommt das E-Auto ins Spiel. Denn kaum ein Gerät im Haushalt kann so viel Strom aufnehmen wie eine Fahrzeugbatterie.
PV-Überschussladen bedeutet: Dein E-Auto lädt genau dann, wenn deine Solaranlage mehr Strom produziert als dein Haushalt gerade braucht. Statt diesen Überschuss für Centbeträge ins Netz zu drücken, fließt er direkt in dein Auto. Das Ergebnis: Fahren für unter 2 Euro pro 100 Kilometer.
In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du über PV-Überschussladen wissen musst: Welche technischen Voraussetzungen du brauchst, welche Wallboxen sich eignen, und vor allem: ob sich das Ganze für deine Situation lohnt. Mit konkreten Zahlen, nicht mit Marketing-Versprechen. Falls du noch unsicher bist, ob ein E-Auto überhaupt das Richtige für dich ist, wirf einen Blick auf unseren Faktencheck zu E-Auto-Mythen.
Das Wichtigste in 60 Sekunden
- Was es ist: Dein E-Auto lädt automatisch mit dem Strom, den deine PV-Anlage gerade überschüssig produziert
- Was es bringt: Ladekosten unter 2 Euro/100 km statt 6-8 Euro mit Netzstrom
- Was du brauchst: PV-Anlage ab ca. 7 kWp, Wallbox mit Überschussladen-Funktion, Energiemanager
- Was es kostet: 1.600-4.500 Euro für Wallbox inkl. Installation
- Für wen es sich lohnt: PV-Besitzer mit regelmäßiger Nutzung des E-Autos und Lademöglichkeit tagsüber
Was ist PV-Überschussladen?
Stell dir vor, es ist ein sonniger Dienstagvormittag. Deine PV-Anlage produziert gerade 6 kW Leistung. Dein Haushalt verbraucht davon 1 kW für Kühlschrank, Router und Standby-Geräte. Die restlichen 5 kW? Die würden normalerweise ins Netz fließen – für mickrige 7,79 Cent pro Kilowattstunde (Einspeisevergütung Stand Februar 2026, Quelle: Bundesnetzagentur).
Beim PV-Überschussladen passiert stattdessen Folgendes: Ein Energiemanager erkennt den Überschuss und gibt der Wallbox das Signal: „Starte den Ladevorgang mit 5 kW.“ Dein E-Auto beginnt zu laden – mit kostenlosem Solarstrom vom eigenen Dach.
Ziehen jetzt Wolken auf und die PV-Leistung sinkt auf 3 kW? Kein Problem. Die intelligente Steuerung drosselt die Ladeleistung entsprechend auf 2 kW (1 kW braucht ja weiterhin der Haushalt). Sinkt der Überschuss unter die Mindestschwelle, pausiert der Ladevorgang – und startet automatisch wieder, sobald die Sonne rauskommt.
Das Prinzip in einem Satz
PV-Überschussladen bedeutet: Dein E-Auto lädt dynamisch mit genau der Strommenge, die deine PV-Anlage gerade übrig hat – nicht mehr, nicht weniger. So nutzt du jeden verfügbaren Sonnenstrahl, ohne teuren Netzstrom zu beziehen.
Warum das für PV-Besitzer ein Game-Changer ist
Der Knackpunkt ist die Differenz zwischen Einspeisevergütung und Strompreis. Stand Februar 2026 sieht das so aus:
Ein E-Auto verbraucht je nach Modell und Fahrweise etwa 17-20 kWh auf 100 Kilometer. Wenn du diese Energie mit eigenem Solarstrom lädst statt aus dem Netz, sparst du pro 100 km rund 4-5 Euro. Bei 15.000 km Jahresfahrleistung sind das über 600 Euro im Jahr – nur durch cleveres Laden.
Und das ist nicht nur gut für deinen Geldbeutel: Jede Kilowattstunde Solarstrom, die direkt ins E-Auto fließt, spart etwa 350 Gramm CO₂ gegenüber dem deutschen Strommix (Stand 2026). Bei 2.500 kWh Ladestrom pro Jahr sind das rund 875 kg CO₂, die nicht in die Atmosphäre gelangen. Du steigerst deine Autarkie, senkst deine Stromkosten und fährst klimafreundlich – alles gleichzeitig.
Die ehrliche Rechnung: Lohnt sich das für dich?
Bevor du in Wallbox und Energiemanager investierst, solltest du wissen, ob sich das für deine konkrete Situation rechnet. Nicht jeder PV-Besitzer profitiert gleich stark vom Überschussladen.
Einspeisevergütung vs. Eigenverbrauch: Die Zahlen 2026
Die Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen sinkt kontinuierlich. Seit Februar 2026 bekommst du für eine Anlage bis 10 kWp mit Teileinspeisung nur noch 7,79 Cent pro kWh. Im August 2026 sinkt sie erneut um 1 Prozent (Quelle: EEG 2023, Bundesnetzagentur).
Zum Vergleich: 2012 lag die Vergütung noch bei über 24 Cent. Der Trend ist eindeutig: Einspeisen wird immer unattraktiver, Eigenverbrauch immer lukrativer.
Rechenbeispiel: 10 kWp-Anlage, 15.000 km/Jahr
- PV-Anlage: 10 kWp, produziert ca. 9.500 kWh/Jahr
- Haushaltsverbrauch: 4.000 kWh/Jahr
- E-Auto: 15.000 km/Jahr, Verbrauch 17 kWh/100 km = 2.550 kWh/Jahr
Ohne Überschussladen:
- Eigenverbrauch Haushalt: ca. 30% = 2.850 kWh
- Einspeisung: 6.650 kWh x 0,078 Euro = 519 Euro/Jahr
- E-Auto laden mit Netzstrom: 2.550 kWh x 0,33 Euro = 842 Euro/Jahr
Mit Überschussladen (70% solar, z.B. bei Homeoffice):
- Eigenverbrauch Haushalt: ca. 2.850 kWh
- Eigenverbrauch E-Auto: ca. 1.785 kWh (70% von 2.550 kWh)
- Einspeisung: 4.865 kWh x 0,078 Euro = 379 Euro/Jahr
- E-Auto laden (30% Netzstrom): 765 kWh x 0,33 Euro = 252 Euro/Jahr
Ersparnis durch Überschussladen: ca. 590 Euro pro Jahr
(weniger Einspeisung: -140 Euro, weniger Netzstrom: +730 Euro)
Wann lohnt sich Überschussladen besonders?
- Du fährst regelmäßig und viel – je mehr Kilometer, desto höher die Ersparnis
- Dein Auto steht tagsüber zuhause – Homeoffice, Teilzeit, Ruhestand
- Deine PV-Anlage hat ausreichend Leistung – ab ca. 7 kWp wird es interessant
- Du hast keinen oder einen kleinen Batteriespeicher – sonst konkurriert das Auto mit dem Speicher um den Überschuss
Reality-Check: Wann es sich NICHT lohnt
Überschussladen ist kein Allheilmittel. In diesen Fällen solltest du genau nachrechnen:
- Auto steht nie tagsüber zuhause: Klassischer 9-to-5-Job ohne Homeoffice? Dann verpasst du die besten Sonnenstunden.
- Sehr kleine PV-Anlage (unter 5 kWp): Der Überschuss reicht oft nicht für sinnvolles Laden.
- Großer Batteriespeicher vorhanden: Der Speicher und das Auto konkurrieren um den Überschuss. Hier muss die Priorität klug eingestellt werden.
- Sehr geringe Fahrleistung (unter 5.000 km/Jahr): Die Investition in eine smarte Wallbox rechnet sich dann nur über sehr lange Zeit.
Ehrliche Warnung
Wenn dein Auto von Montag bis Freitag zwischen 8 und 18 Uhr in der Firma steht, wirst du mit reinem Überschussladen nicht glücklich. Du brauchst dann entweder eine Lademöglichkeit am Arbeitsplatz oder musst akzeptieren, dass du einen Großteil mit Netzstrom lädst. Überschussladen am Wochenende allein bringt bei den meisten Fahrprofilen zu wenig.
Technische Voraussetzungen
Damit PV-Überschussladen funktioniert, müssen mehrere Komponenten zusammenspielen. Die gute Nachricht: Bei den meisten modernen PV-Anlagen sind die Grundlagen bereits vorhanden.
Checkliste: Hat deine Anlage das Zeug dazu?
- PV-Anlage mit ausreichender Leistung (ab ca. 7 kWp empfohlen)
- Wechselrichter mit Kommunikationsschnittstelle (Modbus, EEBUS oder herstellerspezifisch)
- Smart Meter oder Energiezähler am Netzanschlusspunkt
- Wallbox mit variabler Ladeleistung und Steuerungsmöglichkeit
- Energiemanager (entweder in Wallbox integriert oder als separate Einheit)
PV-Anlagengröße: Wie viel kWp brauchst du?
Als Faustformel gilt: Pro 10.000 Kilometer Jahresfahrleistung benötigst du etwa 2 kWp zusätzliche PV-Leistung. Bei 15.000 km/Jahr sollte deine Anlage also mindestens 3 kWp mehr haben, als dein Haushalt alleine bräuchte.
Eine typische Haushalts-PV-Anlage von 10 kWp kann also problemlos neben dem Haushalt auch ein E-Auto mit 15.000 km Jahresleistung versorgen – vorausgesetzt, die Ladezeiten passen.
Wechselrichter-Kompatibilität
Dein Wechselrichter muss mit dem Energiemanager kommunizieren können. Die meisten modernen Geräte unterstützen mindestens eines dieser Protokolle:
- Modbus TCP: Industriestandard, wird von fast allen Herstellern unterstützt
- EEBUS: Neuer europäischer Standard für Energiemanagement im Smart Home
- Herstellerspezifische Protokolle: Fronius, SMA, Huawei, Kostal haben eigene Schnittstellen
Wenn du einen Wechselrichter von Fronius, SMA, Huawei, Kostal oder SolarEdge hast, bist du in der Regel gut aufgestellt. Bei älteren Geräten oder Exoten lohnt sich vor dem Wallbox-Kauf eine Kompatibilitätsprüfung.
Die Sache mit der Phasenumschaltung
Hier wird es etwas technisch, aber das Thema ist wichtig für effizientes Überschussladen.
E-Autos laden in Deutschland normalerweise dreiphasig mit 400 Volt. Die Mindeststromstärke pro Phase beträgt 6 Ampere – das entspricht einer Mindestladeleistung von etwa 4,2 kW. Wenn dein PV-Überschuss unter diese Schwelle fällt, kann das Auto nicht mehr laden.
Die Lösung: Automatische Phasenumschaltung. Dabei schaltet die Wallbox von dreiphasigem auf einphasiges Laden um. Einphasig benötigt das Auto nur noch mindestens 1,4 kW – damit kannst du auch kleinere Überschüsse nutzen.
Wichtig:
Nicht jede Wallbox kann automatisch zwischen den Phasen wechseln. Achte beim Kauf darauf, dass diese Funktion explizit genannt wird. Modelle wie der Fronius Wattpilot oder Systeme mit OpenWB-Steuerung beherrschen das.
Was eventuell nachgerüstet werden muss
Je nach Ausgangssituation können folgende Nachrüstungen nötig sein:
Wenn kein bidirektionaler Zähler vorhanden
Wenn nicht in Wallbox oder Wechselrichter integriert
Bei älteren Wechselrichtern ohne Schnittstelle
Die richtige Wallbox finden
Nicht jede Wallbox kann PV-Überschussladen. Für diese Funktion braucht das Gerät zwei Eigenschaften: variable Ladeleistung (idealerweise ab 1,4 kW) und eine Kommunikationsschnittstelle zur Steuerung.
Worauf du beim Kauf achten musst
- Variable Ladeleistung: Die Wallbox muss die Leistung stufenlos oder fein abgestuft regeln können
- Kommunikationsprotokoll: OCPP 1.6, Modbus TCP oder EEBUS für die Anbindung an den Energiemanager
- Automatische Phasenumschaltung: Um auch kleine Überschüsse ab 1,4 kW zu nutzen
- Kompatibilität mit deinem System: Passt die Wallbox zu deinem Wechselrichter/Energiemanager?
Wallbox-Vergleich für PV-Überschussladen (Preise Stand Februar 2026)
Die Wallbox-Inspektion 2025 von HTW Berlin, Fraunhofer ISE und ADAC hat erstmals die Effizienz verschiedener Systeme beim solaren Überschussladen gemessen. Ergebnis: Zwischen dem besten und schlechtesten System lagen etwa 11 Prozentpunkte Unterschied beim „Wallbox Performance Index“ – das entspricht rund 54 Euro pro Jahr. Über zehn Jahre können sich so bis zu 540 Euro Unterschied ergeben (Quelle: HTW Berlin, 2025).
Unser Tipp für die Wallbox-Auswahl
Hast du bereits einen Fronius, SMA oder Huawei Wechselrichter? Dann ist die Wallbox desselben Herstellers meist die einfachste Lösung – die Geräte sind aufeinander abgestimmt und kommunizieren problemlos.
Für maximale Flexibilität empfehlen wir den go-e Charger oder OpenWB-Systeme: Sie funktionieren herstellerunabhängig mit fast allen PV-Anlagen.
Wir beraten dich gerne, welche Lösung zu deinem bestehenden System passt. Mehr zu unseren Wallbox-Lösungen.
Die drei Arten des Überschussladens
Überschussladen ist nicht gleich Überschussladen. Je nach System und Konfiguration gibt es unterschiedliche Ansätze – vom simplen manuellen Laden bis zur vollautomatischen Optimierung.
1. Manuelles Überschussladen (Einsteiger)
Die einfachste Variante: Du schaust auf deine PV-App, siehst dass gerade viel Überschuss da ist, und steckst das Auto an. Wenn die Sonne weg ist, ziehst du den Stecker wieder.
Vorteile: Keine zusätzliche Technik nötig, funktioniert mit jeder Wallbox
Nachteile: Du musst ständig aufpassen, verpasste Sonnenstunden, nicht alltagstauglich
Eigenverbrauchssteigerung: ca. 5-10%
2. Automatisch mit Schwellenwert (Kompromiss)
Bei dieser Variante startet die Wallbox automatisch, sobald ein definierter Überschuss erreicht wird – zum Beispiel 4 kW. Die Ladeleistung bleibt dann konstant, egal ob der Überschuss steigt oder sinkt.
Vorteile: Automatischer Start, keine ständige Kontrolle nötig
Nachteile: Keine optimale Ausnutzung des Überschusses, bei Wolken wird Netzstrom bezogen
Eigenverbrauchssteigerung: ca. 15-20%
3. Dynamisches Überschussladen (Profi-Lösung)
Die Königsklasse: Der Energiemanager passt die Ladeleistung in Echtzeit an den aktuellen Überschuss an. Produziert die Anlage 7 kW Überschuss, lädt das Auto mit 7 kW. Sinkt der Überschuss auf 2 kW, drosselt die Wallbox auf 2 kW (einphasig). Steigt er wieder, geht die Leistung automatisch hoch.
Vorteile: Maximale Ausnutzung jeder verfügbaren Kilowattstunde, kein Netzstrombezug während des Ladens
Nachteile: Höhere Investitionskosten, komplexere Einrichtung
Eigenverbrauchssteigerung: bis zu 30%
Unsere Empfehlung:
Wer in Überschussladen investiert, sollte direkt auf die dynamische Variante setzen. Der Preisunterschied zu einfacheren Systemen ist überschaubar, aber der Effizienzgewinn erheblich. Ein träges System, das 30 Sekunden braucht, um auf Überschuss-Änderungen zu reagieren, verliert im Vergleich zu einem schnellen System (unter 10 Sekunden) im Jahresverlauf spürbar Solarstrom – und damit Geld.
Installation: Was kommt auf dich zu?
Die gute Nachricht: Wenn du bereits eine PV-Anlage und einen Hausanschluss mit ausreichend Kapazität hast, ist die Wallbox-Installation meist unkompliziert. Trotzdem gibt es ein paar Dinge zu beachten.
Typischer Ablauf
- Vor-Ort-Check: Ein Elektriker prüft deinen Hausanschluss, Zählerschrank und die geplante Kabelführung
- Angebotserstellung: Du bekommst ein detailliertes Angebot mit allen Komponenten und Arbeiten
- Netzbetreiber-Anmeldung: Wallboxen ab 11 kW müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden. Bei 22 kW Wallboxen ist sogar eine Genehmigung erforderlich (wir übernehmen das für dich)
- Installation: Typischerweise 4-8 Stunden Arbeitszeit vor Ort
- Einrichtung Energiemanagement: Kopplung mit PV-Anlage, Konfiguration des Überschussladens
- Einweisung: Du lernst, wie du das System bedienst und überwachst
Kosten realistisch eingeschätzt
Die Gesamtkosten für eine Wallbox-Installation mit PV-Überschussladen-Funktion bewegen sich typischerweise in diesem Rahmen:
Die große Spanne erklärt sich durch unterschiedliche Gegebenheiten vor Ort: Kurze Kabelwege in der Garage sind günstiger als lange Leitungen durch Keller und Garten. Ein moderner Zählerschrank braucht keine Anpassung, ein alter eventuell schon.
Netzbetreiber-Anmeldung und Paragraph 14a EnWG
Seit Januar 2024 gilt eine wichtige Neuerung: Nach Paragraph 14a des Energiewirtschaftsgesetzes dürfen Netzbetreiber bei drohender Netzüberlastung die Ladeleistung von Wallboxen zeitweise drosseln. Im Gegenzug bekommst du reduzierte Netzentgelte.
In der Praxis bedeutet das:
- Deine Wallbox muss steuerbar sein (das sind alle modernen Modelle)
- Die garantierte Mindestladeleistung beträgt 4,2 kW – genug für ca. 25 km Reichweite pro Stunde
- Eingriffe sind selten und betreffen vor allem Spitzenzeiten im Winter
Für Überschussladen ist das kaum relevant: Du lädst ja ohnehin hauptsächlich tagsüber, wenn die PV-Anlage liefert – also in Zeiten, in denen das Netz typischerweise nicht überlastet ist.
Praxistipps: So holst du das Maximum raus
Du hast die Technik installiert – jetzt geht es darum, das System optimal zu nutzen. Mit ein paar Kniffen holst du noch mehr aus deinem PV-Überschussladen heraus.
Ladezeiten optimieren
Der Sweet Spot: Die beste Zeit für Überschussladen liegt zwischen 10 und 16 Uhr, wenn die PV-Anlage am meisten produziert. Versuche, dein Auto in diesem Zeitfenster angesteckt zu haben.
Mindestladezustand einstellen: Konfiguriere einen Mindest-Ladezustand (z.B. 30%), der bei Bedarf auch mit Netzstrom erreicht wird. So stehst du nie mit leerem Akku da, auch wenn die Sonne mal nicht mitspielt.
Abfahrtszeit planen: Viele Wallboxen erlauben die Einstellung einer Abfahrtszeit. Das System berechnet dann, wie viel Energie bis dahin mit Solarstrom geladen werden kann und ergänzt nur bei Bedarf mit Netzstrom.
Kombination mit Batteriespeicher – sinnvoll oder Overkill?
Diese Frage wird oft gestellt, und die Antwort ist: Es kommt darauf an. Falls du noch keinen Speicher hast und überlegst, einen Stromspeicher nachzurüsten, solltest du die Prioritäten abwägen.
Ohne Speicher:
- Das E-Auto wird zum „mobilen Speicher“
- Laden nur tagsüber möglich
- Abends und nachts brauchst du Netzstrom
- Einfacheres System, geringere Investition
Mit Speicher (10-15 kWh):
- Du kannst auch abends/nachts mit Solarstrom laden
- Höhere Unabhängigkeit vom Netz
- Das System muss intelligent priorisieren: Haushalt, Speicher oder Auto?
- Höhere Investition, längere Amortisation
Unsere Einschätzung
Wenn du tagsüber laden kannst (Homeoffice, Ruhestand), brauchst du für das E-Auto keinen großen Speicher – das Auto übernimmt diese Rolle. Ein kleiner Speicher (5-8 kWh) für den Haushaltsverbrauch am Abend kann trotzdem sinnvoll sein. Wenn du nur abends und am Wochenende lädst, erhöht ein Speicher die solare Deckung deutlich.
Die unterschätzte Rolle des Energiemanagers
Der Energiemanager ist das Gehirn deines Systems. Er entscheidet, wohin der Solarstrom fließt: Haushalt, Speicher, Wallbox oder Netz. Ein guter Energiemanager macht den Unterschied zwischen „funktioniert irgendwie“ und „funktioniert optimal“.
Bekannte Lösungen:
- SMA Sunny Home Manager 2.0: Der Klassiker, bewährt und zuverlässig (ca. 950 Euro)
- Fronius Smart Meter + Wattpilot: Direktintegration ohne zusätzlichen Manager
- Huawei EMMA: Für Huawei-Systeme, sehr gute Integration
- Home Assistant / EVCC: Open-Source-Lösungen für Technik-Affine, maximal flexibel
Achte bei der Auswahl darauf, dass der Energiemanager Prioritäten setzen kann. Typische Reihenfolge: Erst Haushalt versorgen, dann Auto laden, dann Speicher füllen, zuletzt einspeisen.
Häufige Fragen zum PV-Überschussladen
Kann ich auch ohne Wallbox mit Solarstrom laden?
Theoretisch ja, praktisch nein. Ohne Wallbox lädst du über die normale Haushaltssteckdose mit maximal 2,3 kW. Das ist sehr langsam (ca. 15 km Reichweite pro Stunde) und nicht für Dauerbetrieb ausgelegt – Brandgefahr! Eine Wallbox lädt mit 11 kW fünfmal so schnell und ist für den täglichen Einsatz konstruiert. Für echtes Überschussladen mit dynamischer Leistungsanpassung brauchst du definitiv eine smarte Wallbox.
Wie viel kann ich mit PV-Überschussladen wirklich sparen?
Bei 15.000 km Jahresfahrleistung und 70% solarer Deckung (realistisch bei Homeoffice oder Teilzeit) sparst du rund 500-700 Euro pro Jahr im Vergleich zum Laden mit reinem Netzstrom. Die genaue Ersparnis hängt von deiner PV-Anlagengröße, deinem Fahrprofil und den aktuellen Strompreisen ab. Über die Lebensdauer einer Wallbox (15+ Jahre) kann sich das auf 7.500-10.000 Euro summieren.
Funktioniert Überschussladen auch im Winter?
Ja, aber eingeschränkt. Im Winter produziert eine PV-Anlage deutlich weniger Strom – oft nur 20-30% der Sommerleistung. An sonnigen Wintertagen kannst du trotzdem mit Überschuss laden, allerdings langsamer und kürzer. Realistisch solltest du im Winter mit höherem Netzstromanteil rechnen. Die Jahresbilanz bleibt trotzdem positiv, weil die Sommermonate die Wintermonate mehr als ausgleichen. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum PV-Ertrag im Winter.
Kann ich mein E-Auto als Hausspeicher nutzen (V2H/V2G)?
Die Technologie heißt Vehicle-to-Home (V2H) bzw. Vehicle-to-Grid (V2G) und ist in Deutschland seit 2026 attraktiver geworden: Die doppelte Besteuerung für rückgespeisten Strom ist entfallen. Allerdings unterstützen nur wenige Fahrzeuge und Wallboxen bidirektionales Laden (z.B. Hyundai Ioniq 5/6, Kia EV6, VW ID-Modelle mit V2H-Update). Die Technik entwickelt sich, aber für die meisten Anwender ist klassisches Überschussladen aktuell die praktikablere Lösung.
Meine PV-Anlage ist schon älter - geht Überschussladen trotzdem?
Meist ja. Entscheidend ist, ob dein Wechselrichter eine Kommunikationsschnittstelle hat (Modbus, RS485 oder herstellerspezifisch). Bei Geräten ab ca. 2015 ist das Standard. Bei älteren Anlagen kann ein Nachrüstmodul helfen. Alternativ kann ein Smart Meter am Hausanschluss die nötigen Daten liefern – dann muss der Wechselrichter selbst nicht „smart“ sein. Wir prüfen gerne, welche Lösung für deine Anlage passt.
11 kW oder 22 kW Wallbox - was ist besser für Überschussladen?
Für reines Überschussladen reicht eine 11-kW-Wallbox völlig aus. Deine PV-Anlage wird selten mehr als 8-10 kW Überschuss liefern, und selbst dann ist das Auto mit 11 kW bereits schnell genug. Eine 22-kW-Wallbox macht nur Sinn, wenn du zusätzlich manchmal sehr schnell laden musst (z.B. kurzfristiger Bedarf) oder ein Fahrzeug hast, das dreiphasig mit 22 kW laden kann. Für die meisten Privatanwender ist 11 kW die wirtschaftlichere Wahl.
Was passiert, wenn ich das Auto nicht rechtzeitig anstecke?
Dann fließt der Überschuss eben ins Netz – für die mickrige Einspeisevergütung. Du verlierst kein Geld im eigentlichen Sinne, aber du verschenkst Sparpotenzial. Deshalb ist ein gutes Monitoring wichtig: Die meisten Apps zeigen dir, wie viel Überschuss gerade verfügbar ist. Manche Systeme senden auch Push-Nachrichten („Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt zum Laden“). Und wenn das Auto tagsüber eh in der Garage steht, steck es einfach immer an – das System erledigt den Rest.
Gibt es Förderungen für Wallboxen 2026?
Die große KfW-Förderung für private Wallboxen (KfW 440) ist ausgelaufen. Aktuell gibt es keine bundesweite Förderung für Privatpersonen. Allerdings bieten viele Stadtwerke und regionale Energieversorger eigene Zuschüsse an – von 40 kWh Gratisstrom bis zu 500 Euro Direktzuschuss. Für 2026 ist eine neue Förderung für Ladestationen an Mehrfamilienhäusern geplant, das Programm ist Stand Februar 2026 aber noch nicht gestartet. Einen vollständigen Überblick findest du in unserem E-Auto-Förderung Ratgeber 2026.
Fazit: Für wen lohnt sich PV-Überschussladen?
PV-Überschussladen ist keine Raketenwissenschaft, aber auch kein Selbstläufer. Die Technik ist ausgereift, die Kosten überschaubar, und die Ersparnis bei passendem Nutzungsprofil erheblich.
PV-Überschussladen lohnt sich besonders für dich, wenn...
- Du bereits eine PV-Anlage ab ca. 7 kWp besitzt
- Dein E-Auto regelmäßig tagsüber zuhause steht (Homeoffice, Teilzeit, Ruhestand)
- Du mindestens 10.000 km im Jahr fährst
- Du die niedrige Einspeisevergütung satt hast und mehr aus deiner Anlage rausholen willst
Die Investition von 1.600-4.500 Euro für Wallbox und Installation amortisiert sich typischerweise in 3-7 Jahren – danach fährst du quasi kostenlos mit Sonnenstrom. Und selbst wenn du nicht 100% deines Ladestroms solar deckst: Jede Kilowattstunde vom eigenen Dach ist ein Gewinn.
Was mich persönlich an dem Thema begeistert: Es ist die logische Vollendung der eigenen Energiewende. Du hast schon in PV investiert, vielleicht auch in einen Speicher – und mit dem E-Auto machst du das System komplett. Statt fossile Brennstoffe zu tanken, fährst du mit dem Strom, den dein eigenes Dach produziert. Das ist nicht nur wirtschaftlich clever, sondern fühlt sich auch verdammt gut an.
Bereit für den nächsten Schritt?
Wir planen deine individuelle Ladelösung – von der passenden Wallbox über die optimale Einbindung in deine PV-Anlage bis zum intelligenten Energiemanagement. Als regionaler Partner in Norddeutschland sind wir persönlich für dich da.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesnetzagentur: Aktuelle Einspeisevergütung und Meldepflichten – bundesnetzagentur.de
- ADAC: Wallbox Ratgeber und Testberichte 2026 – adac.de
- HTW Berlin / Fraunhofer ISE / ADAC: Wallbox-Inspektion 2025 – Erstmalige Effizienz-Messung für solares Überschussladen
- Finanztip: Einspeisevergütung 2026 – Aktuelle Sätze und Entwicklung – finanztip.de
- EnBW: PV-Überschussladen erklärt – enbw.com
- Energie-Experten: Wallboxen-Test 2025 für PV-Überschuss – energie-experten.org
- § 14a EnWG: Regelungen zu steuerbaren Verbrauchseinrichtungen (seit 01.01.2024)
